Mit elf an die Wahlurne
01.10.2008 / Bad GottleubaEine lange Schlange hat sich vor dem Wahllokal in der Bad Gottleubaer Mittelschule gebildet. Jeder hält bereits die obligatorische Wahlbenachrichtigung in der Hand, geht in die Kabine und macht ein Kreuz auf dem Stimmzettel. Alles sieht täuschend echt aus. Nur die Wähler passen nicht so richtig ins Bild. Mit ihren elf bis 17Jahren sind die Schüler der Bad Gottleubaer Mittelschule eigentlich zu jung, um „echte“ Politik zu machen. Gestern war eine Ausnahme. Bei der Wahl des neuen Schülersprechers wurde in Zusammenarbeit mit dem Projekt Jugendland vom Jugendring Sächsische Schweiz eine authentische Wahl nachgestellt.
Punkt 8.30Uhr ging es los. Bis 11Uhr hatten die fast 240 Schüler Zeit, ihre Stimme anzugeben. Vor allem den Jüngeren war dabei die Nervosität ins Gesicht geschrieben. „Ich hoffe, ich mache nichts falsch“, flüstert eine Fünftklässlerin auf dem Gang noch ihrer Freundin ins Ohr. „Und wen wählst du?“, tönt es an andere Stelle aus der Klasse. „Ach, nee, ist ja geheim“, verbessert sich ein Schüler selbst und muss darüber schmunzeln.
Wie eine „richtige“ Wahl abläuft, darüber wurden die 236 Schüler schon zu Schuljahresanfang genau informiert. „Wir möchten mit der Aktion das Demokratieverständnis der Schüler fördern“, erklärt Jenny Eibig, Sozialpädagogin beim Jugendland. Das liegt auch Schulleiterin Christina Lesky am Herzen. „Die Wahl soll so authentisch wie möglich sein, um die Schüler vorzubereiten“, sagt sie.
Auch ein kleiner Wahlkampf darf bei der Schülersprecherentscheidung nicht fehlen. Vier Wochen vor dem Stichtag konnte sich jeder Schüler ab Klasse sieben als Kandidat aufstellen lassen. Vier Schüler haben die Chance genutzt und auf einem selbst gemachten Wahlplakat sich und ihre Ziele kurz vorgestellt. „Die Plakate hingen im Schulhaus aus, sodass sich alle Schüler ein Bild von den Kandidaten machen konnten“, sagt Christina Lesky.
Wahlkampf mit Wahlslogans
Neben Rocco Löber, dem amtierenden Schülersprecher, gingen Daniel Kirsten, Robin Tiegel und Paul Braun ins Rennen um den Posten. Mit Slogans wie „Ich habe ein offenes Ohr für eure Probleme“, dem Versprechen, den Clubraum zu verschönern oder der Idee, einen neuen Namen für die Schule zu finden, starteten sie in den Wahlkampf.
Wer die meisten Stimmen für sich einheimsten konnte, entschied sich gestern Mittag. Etwa 30 Minuten waren nötig, um die insgesamt 212 Stimmen auszuzählen. „Ich brenne schon vor Neugier, wer mit mir zusammen arbeiten wird“, freute sich Schulleiterin Christina Lesky kurz vor der Entscheidung. Einen Favoriten habe sie bereits. Wen, wollte sie allerdings nicht verraten. Als Verstärkung hatte sich Lesky Thilo Richter, Hauptamtsleiter der Stadt Bad Gottleuba-Berggießhübel, an die Seite geholt.
Punkt 13 Uhr wurde dann das Geheimnis gelüftet. Mit einer absoluten Mehrheit von 54,2Prozent konnte sich Daniel Kirsten gegen seine drei Mitbewerber durchsetzen. Der 16-Jährige, der in diesem Jahr seinen Realschulabschluss absolviert, hat sich viel vorgenommen. „Ein Getränkeautomat, dessen Einnahmen der Schule zugute kommen, steht ganz oben auf meiner Liste“, sagt der frisch gebackene Schülersprecher. Auch ein Fußballturnier, das sich die Mehrheit der Schüler wünscht, möchte Daniel Kirsten organisieren. „Ich halte meine Versprechen“, betont er. (Von Katarina Lange)
Quelle: Sächsische Zeitung, 01.10.2008














